Archäologische Restaurierung

Archäologische Restaurierung

Nach sechsjähriger Tätigkeit beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
biete ich auch die Restaurierung archäologischer Keramik
(Reinigung, Klebung, Ergänzung, Kolorierung) an.

Restaurierung eines Grabinventares

der jüngeren Urnenfelderzeit aus dem Gewerbegebiet Geisenfeld-Ilmendorf, Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist im Mündungsdelta der Ilm in das Donautal im Geisenfelder Ortsteil Ilmendorf ein größeres Grabhügelfeld bekannt. Ende der 70er Jahre konnte der Luftbildarchäologe Otto Braasch feststellen, daß es noch eine wesentlich größere Ausdehnung als bisher angenommen besitzt.

Durch die Ausweisung eines Gewerbegebietes durch die Stadt Geisenfeld wurden archäologische Untersuchungen unter Aufsicht durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege notwendig, wobei.ca. 100 Grabstätten dokumentiert und ausgegraben wurden. Ein Teil der Grabinventare wurde im Anschluß daran von mir gesichtet, konserviert und je nach Erhaltungszustand restauriert. Anhand eines ausgewählten Inventares soll hier näher auf die Restaurierung eingegangen werden.

Vorbereitung der archäologischen Restaurierung

Einlieferungszustand der Urne (Blockbergung)Der auf der Grabung mit Papier und Tesakrepp gesicherte in – situ – Block der Urne befand sich zur Stabilisierung während des Transports und der nachfolgenden Lagerung in einem alten Autoreifen. Der Urnenhals sowie zwei weitere, außerhalb der Urne deponierte, stark zerscherbte, kleine Beigefäße, waren in Plastiktüten verpackt, in die Restaurierungswerkstatt eingeliefert worden.

Nach der Entfernung der oberen Hälfte der „Verpackung“ zeigte sich, daß der Erhaltungszustand der Keramik relativ gut war und somit auch eine vorsichtige Reinigung mit Wasser und Schwamm zulassen würde. Damit keine Informationen verlorengingen, stand zu Beginn der Restaurierung die fotografische Dokumentation, die auch jeden der folgenden Arbeitsschritte begleitete. Die Scherben wurden nacheinander von oben beginnend abgenommen, die Außen- und Innenseiten mit einem feuchten Schwamm, die Bruchkanten sehr vorsichtig mit einem weichen Bürstchen gesäubert und anschließend, nach Anschlüssen sortiert, zum Trocknen ausgelegt. Ein beim Freilegen entdecktes Bronzemesser und zwei flache Schälchen, die sich im Urneninneren befanden, wurden entnommen und ebenfalls gereinigt. Der restliche Inhalt wurde in einem Sieb unter fließendem Wasser geschlämmt, wobei außer dem Leichenbrand keine weiteren Beigaben mehr zum Vorschein kamen.

Verhinderung des weiteren Zerfalls der Keramik

Um einen weiteren Zerfall der Keramik zu verhindern, erfolgte nach deren voll-ständiger Trocknung die Festigung mit Mowilith 50 (Polyvinylacetat) durch Exsikkatortränkung im Unterdruck.

Klebung der Keramik

Untere Urnenhälfte geklebt, mit Tesastreifen fixiertIm Anschluß daran erfolgte die Klebung, bei welcher der mit Aceton reversible Technicoll Alleskleber Verwendung fand. Der Kleber wurde einseitig dünn aufgetragen, aneinanderpassende Scherben, vom Boden beginnend, spiralförmig nach oben aneinandergesetzt. Eine Sicherung der geklebten Scherben durch sowohl an der Außen- wie an der Innenseite angebrachte Tesakrepp-Streifen erlaubte ein rascheres Arbeiten als bei der herkömmlichen Methode, bei der die Scherben in Zweier- oder Dreierkonglomeraten zusammengeklebt und dann, bis zur völligen Aushärtung des Klebers, in einer mit Sand gefüllten Schüssel zum Trocknen aufgestellt werden. Nach ausreichender Trocknungszeit konnten die Tesastreifen entfernt und eventuell beim Zusammenpressen der Scherben hervorgequollene Kleberreste mit Aceton bzw. einem Skalpell entfernt werden.

Ergänzen der Fehlstellen

Urneninneres nach Abbau der oberen Hälfte mit Beigefäßen. Deutlich sichtbar auch der LeichenbrandDer nächste Arbeitsschritt bestand im Ergänzen der Fehlstellen mit einem mit Erdfarben (Pigmenten) eingefärbten Gemisch aus Gips und Moltofill. Während Gips relativ schnell abbindet, zeichnet sich diese Mischung durch eine längere Verarbeitungszeit aus. Ein weiterer Vorteil liegt in der höheren Festigkeit, obwohl sich die Masse nach ihrer Aushärtung bzw. Trocknung leichter bearbeiten läßt. Schließlich wird durch das Einfärben mit Pigmenten die anschließende Colorierung erleichtert. Für die Ergänzung wurden die Fehlstellen mit Plastilin hinterlegt, mit dem zuvor das Profil an entsprechenden Stellen an der Innenseite der Urne abgenommen wurde. Darauf wurde die mit Wasser angerührte Gips-Moltofill-Masse ausreichend dick aufgetragen. Nach dem Abbinden wurde das Plastilin entfernt und das überschüssige Material mit einem Surformhobel und Ziehklingen abgetragen. Nach der vollständigen Trocknung konnten letzte Unebenheiten durch Schleifen mit Sandpapier auf die Höhe der Originaloberfläche abgearbeitet, Verzierungen eingraviert und danach die Oberfläche mit einem feuchten Schwamm gereinigt werden.

Aus ästhetischen Gründen wurden zur späteren musealen Verwendung auch kleine Risse verfugt. Besonders geeignet ist hierfür das mit Wasser reversible Keramiplast. Nach kurzer Trockenzeit kann es wie Gips bearbeitet, Materialüberschüsse entlang der Fugen konnten mit einem feuchten kurzhaarigen Pinsel entfernt werden. Danach erhielten Keramik und Ergänzung einen Überzug aus stark verdünnten Mowilith 50, so daß die Oberfläche nicht glänzte.

Colorierung der Ergänzungen

Den Abschluß der Restaurierung bildete die Colorierung der Ergänzungen. Dafür wurden Farbpigmente (Erdfarben) verwendet, als Bindemittel diente das stark verdünnte Mowilith 50 des vorhergehenden Überzugs. Die Farben wurden dem Originalton der Keramik entsprechend auf einer Palette angemischt und Stück für Stück retuschiert. Da der wissenschaftliche Betreuer eine farblich geschlossene Oberfläche wünschte, sah man bei dieser Restaurierung von einer erkennbaren, aber nicht zu stark dominierenden Colorierung ab.



Ausstellung im Hallertauer Hopfen- und Heimatmuseum

Das Gefäßensemble ist neben zahlreichen weiteren restaurierten Gefäßen Teil der archäologischen Schausammlung des Hallertauer Hopfen- und Heimatmuseums Geisenfeld.

Fotostrecke Restaurierung eines Grabinventares

Schädelrestaurierung

An einem antiken, zerlegbaren anatomischen Lehrschädel aus der Praxis Dr. Matthias Fleige mußten neben kleineren Fehlstellen der Jochbogen, das Scheitelbein, ein Teil der Schädelkalotte, der Warzenfortsatz sowie das Nasenbein und die Nasenscheidewand rekonstruiert werden.

Diese Ergänzungen wurden mit einer mit Farbpigmenten eingefärbten Modelliermasse vorgenommen, wie sie auch in der Keramikrestaurierung Verwendung findet.

Durch die abschließende, der originalen Knochensubstanz entsprechende Colorierung sind diese Ergänzungen praktisch nicht mehr erkennbar.

Weitere Arbeitsbeispiele aus dem Themengebiet archäologische Restaurierung

Marianne HeimbucherMarianne Heimbucher

Bereits seit meiner Kindheit interessiere ich mich für Geschichte und Kunst.

Deshalb lag es nahe, daß ich mich nach der Beendigung meiner Schulzeit zu einer Ausbildung zur Kirchenmalerin entschloss.

Nach über zehnjähriger Tätigkeit in diesem Beruf ergab sich in Jahr 1996 die Möglichkeit einer zunächst ehrenamtlichen Beschäftigung beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD). Von 1997 - 2002 wurde ich dort im Rahmen mehrerer Zeitverträge mit der Restaurierung vor allem archäologischer Keramik betraut.

In diese Zeit fallen auch erste künstlerische Aktivitäten. Seitdem durfte ich bei zahlreichen Ausstellungen in der Region meine Unikatrahmen und Objekte zeigen.

Seit dem Ausscheiden beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege im Jahr 2002 bin ich neben meiner freiberuflichen Tätigkeit auch bei der Firma Romana, Restaurierung und Kunst in Nassenfels beschäftigt.

Telefon 08452 8251 | Email: marianne.heimbucher[@]web.de